Die VTB Direktbank ist eine Zweigniederlassung der VTB Financial institution Europe SE und steht unter der Aufsicht der Bafin.
(Foto: Reuters)
Frankfurt Einen Tag nach Schließung der Sberbank Europe hat die Europatochter der zweitgrößten russischen Bankengruppe VTB ihre Funktionsfähigkeit hervorgehoben. Die VTB Financial institution Europe „unterliegt derzeit keinen Sanktionen der Europäischen Union“ und sei Vollmitglied beim globalen Zahlungssystem Swift, teilte das Institut am Donnerstag auf seiner Web site mit.
Die Financial institution stehe in enger Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). „Die wirtschaftliche Lage der VTB Financial institution (Europe) SE ist stabil ist und die Financial institution ist voll funktionsfähig“, heißt in dem Assertion weiter.
Die EU-Kommission hatte am Mittwoch eine Liste der russischen Banken veröffentlicht, die vom Banken-Nachrichtensystem Swift ausgeschlossen werden sollen. Der russische Mutterkonzern VTB steht auf dieser Liste, die rechtlich eigenständige Tochter VTB Financial institution Europe dagegen nicht.
Am Mittwochabend hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Behörden laut Insidern derzeit eine mögliche Schließung der europäischen Tochter von VTB vorbereiten. Grund seien wachsende Sorgen vor den Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf das Geldhaus nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters. In ihrem Assertion ging die VTB Financial institution Europe nicht konkret auf den Reuters-Bericht ein.
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Ein Bafin-Sprecher teilte auf Anfrage des Handelsblatts mit, dass die Aufsicht in engem Kontakt mit der VTB Financial institution Europe stehe und kontinuierlich potenzielle Risiken und Entwicklungen aus aufsichtlicher Perspektive analysiere. „Wir kommentieren keine Berichte, die auf ungenannten Quellen beruhen“, teilte der Sprecher mit. Wegen des Ukrainekriegs hatte die Bafin Handelsblatt-Informationen zufolge die Aufsicht über die VTB Europe bereits intensiviert.
Über den Europaarm der russischen Sberbank hatten die Behörden zu Wochenbeginn wegen hoher Geldabflüsse ein Moratorium verhängt und dem Institut in der Nacht auf diesen Mittwoch die Fortführung des Geschäftsbetriebs untersagt. Der Mutterkonzern in Russland hatte daraufhin angekündigt, sich vom europäischen Markt zurückzuziehen. Die europäischen Filialen seien mit starken Bargeldabflüssen konfrontiert, und es gebe Drohungen gegen Mitarbeiter und Gebäude, hatte das Geldinstitut mitgeteilt.
Die VTB Financial institution Europe hat ihren Sitz in Frankfurt und unterliegt damit EU-Recht. Sie steht unter der direkten Aufsicht der Bafin. Laut Geschäftsbericht verfügte das Institut Ende 2020 über Kundeneinlagen in Höhe von etwa 4,7 Milliarden Euro. In Deutschland ist es über die Zweigniederlassung VTB Direktbank vertreten. Sie lockte Sparer zuletzt mit jährlichen Zinszahlungen von bis zu 0,65 Prozent auf Festgeldkonten.
Anfang der Woche hatte die Europatochter der russischen VTB Financial institution das Neugeschäft gestoppt. Ein Sprecher der Bafin wollte sich zu den Gründen des Stopps beim Neugeschäft der Direktbank nicht äußern.
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