Der Chef des Softwarekonzerns hat sein Gehalt im Vergleich zum Vorjahr quick verfünffacht.
(Foto: Uwe Anspach/dpa-pool/dpa)
Düsseldorf Knapp 27,5 Millionen Euro erhalten insgesamt die acht Vorstandsmitglieder von SAP für das Jahr 2021 – mehr als viereinhalbmal so viel wie im Vorjahr. Das geht aus dem Vergütungsbericht hervor, den SAP am Donnerstag vorgelegt hat.
Der deutliche Anstieg ist vor allem auf sogenannte Sondervergütungen in Kind von virtuellen Aktien zurückzuführen. Die bewilligte der Aufsichtsrat aufgrund „außerordentlicher Leistung“ des Vorstands in der Pandemie. Der Vorstand habe „die Profitabilität sichergestellt“ und „die Sicherheit von Mitarbeitenden, Partnern und Kunden gewährleistet“.
Bestverdiener bei SAP ist Vorstandschef Christian Klein, der knapp 5,9 Millionen Euro kassiert – rund fünfmal so viel wie im Vorjahr. Dabei blieb sein Grundgehalt mit rund 1,2 Millionen Euro konstant, während sich die Sondervergütung und variable Vergütungen auf insgesamt mehr als 4,7 Millionen Euro belaufen.
Beachtlich ist die Entlohnung für zwei neue Mitglieder im Vorstand: Julia White und Sabine Bendiek. Beide Managerinnen hatte SAP von Microsoft abgeworben – und beide haben anscheinend intestine verhandelt.
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White liegt in der Gehaltstabelle knapp hinter Klein und Finanzvorstand Luka Mucic auf Platz drei. Die Amerikanerin verantwortete zuvor bei Microsoft das Produktmarketing für die Cloud-Plattform Azure, arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte für den Konzern in Seattle. Seit dem März 2021 ist sie Marketingchefin von SAP, dafür erhielt sie 2021 rund 4,2 Millionen Euro.
Das Grundgehalt von White lag im abgelaufenen Jahr bei nur 625.000 Euro. Um sie zum Wechsel zu bewegen, zahlte SAP ihr aber 1,5 Millionen Euro „Ausgleichszahlung“, wie es in dem Bericht heißt. Damit wird sie für entgangene Optionen oder andere Bonuszahlungen bei Microsoft entschädigt. Zudem erhielt sie auch eine Sondervergütung von knapp 2,3 Millionen Euro, obwohl sie im Pandemiejahr 2020 nicht bei SAP arbeitete.
Auch Bendiek wurde eine Ausgleichszahlung von 1,4 Millionen Euro ausgezahlt. Die damalige Deutschlandchefin von Microsoft wechselte Anfang 2021 nach Walldorf. Erst wurde sie Personalchefin, im vergangenen Juli übernahm sie auch die Place des Chief Working Officer (COO).
Jahrelanger Umbau vom Vorstand ist teuer
Bendiek trägt damit die Verantwortung für die Mitarbeiter und die Geschäftsprozesse des Softwarekonzerns. Sie soll bei SAP die Transformation zur „Cloud Firm“ vorantreiben. Den Wechsel und Aufstieg lässt sie sich intestine bezahlen – insgesamt erhält sie knapp 4,1 Millionen Euro.
Schon seit Jahren wird der Vorstand bei SAP umgebaut. Die personelle Neuaufstellung kostete den Softwarekonzern zuletzt viel Geld. Die acht Vorstandsmitglieder, die SAP seit 2019 verlassen haben, kassierten allein im abgelaufenen Jahr 2021 insgesamt 8,5 Millionen Euro.
Zuletzt hatte Vertriebschefin Adaire Fox-Martin das Unternehmen verlassen. Für einen Monat im Jahr 2021 kassierte sie zwar nur ein Grundgehalt von 68.000 Euro – dazu kamen aber noch noch Zusatzvergütungen von 940.000 Euro.
Teuer zu stehen kommt SAP aber vor allem der Abschied von Invoice McDermott. Obwohl der frühere Vorstandschef das Unternehmen im Herbst 2019 verlassen hat, erhält er immer noch erfolgsabhängige Vergütungen, die sich 2021 auf etwas mehr als zwei Millionen Euro belaufen. Auch die im Frühjahr 2020 entlassene Co-Chefin von Klein, Jennifer Morgan, bekam 2021 mehr als 1,3 Millionen Euro.
Der Vergütungsbericht wird von den insgesamt 24.500 deutschen Mitarbeitern von SAP recht genau gelesen werden. Denn die Gehaltserhöhungen der vergangenen Jahre fielen im Konzern nicht sonderlich hoch aus: 2020 erhöhte SAP die Gehälter um 1,2 Prozent, 2021 waren es 2,7 Prozent mehr – angesichts steigender Inflation und guter Geschäftszahlen ist das kein sonderlich hoher Zuwachs.
Unzufriedenheit bei Mitarbeitern
In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Gehaltsumfrage der Gewerkschaft IG Metall machten die SAP-Mitarbeiter sich zuletzt Luft: Knapp zwei Drittel der deutschen Belegschaft bezeichneten ihr Einkommen als „gar nicht“ oder „in geringem Maß“ angemessen in Bezug auf ihre Leistung.
SAP kritisierte die Umfrage als nicht repräsentativ. Es hätten vor allem Mitarbeiter teilgenommen, die der Gewerkschaft nahestehen. In wenigen Wochen stehen Betriebsratswahlen bei SAP an, in denen IG Metall und Verdi auf mehr Stimmen hoffen. Bei den vergangenen Wahlen gewannen die großen Gewerkschaften nur vier der insgesamt 43 Sitze bei der SAP SE.
Mehr: Umfrage bei SAP: Viele Mitarbeitende sind unzufrieden mit ihrem Gehalt