Die Gruppe hat nun einen Insolvenzantrag gestellt.
In den vergangenen 16 Jahren wurden die Werften in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Argument gerettet: Dort befindet sich der Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dabei struggle irrelevant, ob CDU, CSU oder die SPD den Bundeswirtschaftsminister stellte.
Am Montag meldeten die MV Werften schließlich Insolvenz an, nachdem sich Bund und Länder mit dem malaysischen Eigentümer Genting nicht auf weitere Rettungskredite einigen konnten. Grünen-Politiker Robert Habeck hat nun die große Probability, diesen ordnungspolitischen Unsinn zu beenden. Den neuen Bundesfinanzminister Christian Lindner hätte er dabei an seiner Seite.
So bitter es für die 2000 Werftmitarbeiter und ihre Familien ist: Die Werften sind schon lange ein Wanderpokal dubioser Oligarchen. Nordic Yards struggle das Spielzeug eines russischen Oligarchensohns. Der derzeitige Eigentümer der MV Werften, der sein Geld unter anderem mit Casinos gemacht hat, ist nicht bereit, dem Bund ausreichend Garantien zu geben.
Bund und Land müssen diese Entwicklung jetzt beenden. Sonst droht ein weiteres Millionengrab.
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Die Kreuzfahrtkonzerne sind ebenfalls in der Krise und froh über jedes Schiff, das sie nicht abnehmen müssen. Trotzdem traute sich kein Politiker, an den Werftenstandorten auf den Strukturwandel zu setzen. Alle verließen sich auf Merkel, kein Bundeswirtschaftsminister muckte zuletzt auf.
Arbeitsplätze mit Zukunft sind notwendig
Der geplante Arbeitskreis von Bund und Ländern, der den Strukturwandel einleiten soll, kommt mindestens zehn Jahre zu spät. Das Wichtigste wird sein, dass die hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Gehälter ausgezahlt bekommen und dann neue Jobs finden. Doch dies gestaltet sich im Nordosten besonders schwierig.
Die Linksregierung von Manuela Schwesig sollte nicht nur Staatshilfen von ihrem Parteifreund und Bundeskanzler Olaf Scholz einfordern. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern muss die Bedingungen dafür schaffen, dass endlich Arbeitsplätze mit Zukunft entstehen. Allein auf Tourismus zu setzen reicht nicht aus. Auch das ist eine bittere Lektion der Coronakrise.
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