Selbst verbündete Länder sind für Moskau keine verlässlichen Geschäftspartner mehr.
(Foto: imago pictures/ITAR-TASS)
In seiner Regierungserklärung prognostizierte Kanzler Olaf Scholz mit Blick auf die westlichen Sanktionen: „Der Krieg wird sich auch als Katastrophe für Russland erweisen.“ Die Vorhersage ist Realität geworden. Die noch kürzlich diskutierte Frage, ob die Sanktionen Russland spürbar schaden, ist beantwortet.
Noch nie wurde ein Staat in solch einem Ausmaß und Tempo von der globalen Wirtschaft abgeschnitten.
Was als Sanktionen westlicher Staaten begann, ist mittlerweile zu einer privatwirtschaftlichen Boykottbewegung geworden. Die EU, Großbritannien und die USA haben mit dem Ausschluss russischer Finanzinstitute aus Swift und der Devisensperre für die Zentralbank vorgelegt.
Der Rubel ist abgestürzt, die Börse in Moskau traut sich nicht zu öffnen. Russland reagiert darauf mit Kapitalverkehrskontrollen und Beschränkungen, die Geschäfte in dem Land für ausländische Unternehmen zu einem kaum kalkulierbaren Risiko machen.
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Das gilt für Exporte in das Land, bei denen Lieferanten nicht sicher sein können, dass sie an ihr Geld kommen. Es gilt aber auch für die Produktion in Russland selbst.
Auch Energiekonzerne wenden sich von Russland ab
Und so zieht sich ein Konzern nach dem anderen aus Russland zurück, von Apple über Boeing bis zu Volkswagen. Unternehmen unterbrechen nicht nur ihre Lieferungen, sie schließen Werke und stoßen Beteiligungen an Tochterfirmen ab. Das gilt auch für Branchen, die keinen direkten Beschränkungen unterliegen.
Obwohl der Westen bisher das Öl- und Gasgeschäft nicht sanktioniert, kehren auch Energiekonzerne wie BP, Exxon und Shell Russland den Rücken.
Russland ist wirtschaftlich abgekoppelt.
(Foto: Burkhard Mohr)
Für die westlichen Unternehmen ist das auch eine Frage der Fame. Schon die Politik bekam den immensen Druck der Öffentlichkeit zu spüren, als der Eindruck entstand, Amerika und Europa verzichteten wegen eigener ökonomischer Interessen auf harte Reaktionen. Nun läuft die Kettenreaktion bei den Konzernen. Je mehr Unternehmen sich zurückziehen, desto stärker wird der Druck auf die verbliebenen.
Selbst wenn der Abschied aus Russland mit hohen Abschreibungen verbunden ist, schreckt das nicht mehr. Die Risiken eines Verbleibs sind mittlerweile ungleich größer. Wer will Geschäfte mit einem Staat machen, dem nicht zu trauen, aber alles zuzutrauen ist?
So berichtet das Handelsblatt über den Ukraine-Krieg:
Selbst verbündete Länder sind für Moskau keine verlässlichen Geschäftspartner mehr. Auch deren Banken halten sich nun zurück angesichts der russischen Finanz- und Währungskrise.
Ähnliches lässt sich auf dem Ölmarkt beobachten, wo Russland trotz enormer Preisabschläge keine Käufer findet. Ob Moskau noch lange Gasoline nach Europa liefern wird, ist fraglich. Je schlimmer die Bilder von Putins blutigem Krieg in der Ukraine werden, desto stärker wird der öffentliche Druck auf die europäischen Regierungen, auch diese Verbindung zu kappen.
So richtig die Sanktionen sind und so intestine es ist, dass der Aggressor Putin den Druck auch im eigenen Land spürt: Inzwischen haben sie im Privatsektor eine solche Eigendynamik angenommen, dass sie nur noch bedingt steuerbar sind. Und das birgt auch Risiken:
- Erstens wird sich die ökonomische Abkopplung nicht mehr so einfach rückgängig machen lassen, selbst wenn man das irgendwann wollte.
- Zweitens treiben die Komplettisolation und der damit einhergehende ökonomische Niedergang Putin derart in die Enge, dass er womöglich gar nichts mehr zu verlieren hat. Das könnte ihn noch gefährlicher machen.
Mehr: Russland-Sanktionen – Habeck will betroffene Firmen mit Krediten stützen