Die LED-Beleuchtung für Hydro Aluminium nennt die Deutsche Lichtmiete als Referenzprojekt. Nach einer Razzia der Staatsanwaltschaft drohen beim Oldenburger Beleuchtungsspezialisten die Lichter auszugehen.
(Foto: Axel Hartmann Fotografie)
Berlin Das neue Jahr beginnt für die Mitarbeiter der Deutschen Lichtmiete mit einem Schock. Der Leuchtspezialist aus Oldenburg sei zahlungsunfähig und habe am 30. Dezember Insolvenz angemeldet, heißt es in einem Schreiben des Vorstands Alexander Hahn an die Mitarbeiter, das dem Handelsblatt vorliegt. Betroffen sind demnach auch die Tochterfirmen für Produktion und Vermietung.
Unter der Betreffzeile „Ein schwarzer Tag“ schreibt Hahn, die Staatsanwaltschaft habe am 8. Dezember alle Konten der Gruppe gesperrt. „Wir sind daher leider handlungsunfähig und auch zahlungsunfähig.“ Er werde als Vorstand zurücktreten müssen. Es beginne ein „neues Zeitalter“, jemand anderes werde die Geschicke der Lichtmiete in die Hand nehmen, kündigt Hahn an.
„Für Euch alle tut es mir unendlich Leid, was da gerade passiert“, schreibt Hahn. „Ich wollte nicht, dass irgendjemand Kummer haben muss, weil er bei der Lichtmiete arbeitet, für die Lichtmiete als Lieferant oder Dienstleister tätig ist oder bei der Lichtmiete sein Geld angelegt hat.“
Auf eine kurzfristige Bitte um Stellungnahme des Handelsblatts haben am Freitag weder Hahn noch seinen Sprecherin geantwortet.
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Verdacht auf Betrug
Seit einer Razzia der Staatanwaltschaft Oldenburg Anfang Dezember ist bekannt, dass die Strafverfolger gegen Verantwortliche wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Betrugs ermitteln.
Die Namen der Beschuldigten nannte die Behörde bislang nicht, wohl aber den Vorwurf: Lichtmiete soll Kapital von Anlegern eingesammelt haben, obwohl das Investorenmodell „nicht tragfähig und ungeeignet“ gewesen sei, um die Forderungen der Anleger zu generieren.
Die Unternehmensgruppe Deutsche Lichtmiete bietet Beleuchtungslösungen zur Vermietung an. Das Geschäftskonzept lautet „Gentle as a Service“, heißt es auf der Webseite. Die Gruppe hat demnach mehr als 700 Modernisierungsprojekte in Industrie, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen umgesetzt.
Hahn hat Lichtmiete 2008 gegründet, Ende 2021 beschäftigte das Unternehmen 120 Mitarbeiter an acht Standorten. Rund 200 Millionen Euro hat Lichtmiete schätzungsweise von 5000 Investoren eingesammelt, die jetzt im Feuer stehen.
Die Unternehmensgruppe bediente sich zweier Finanzierungsmodelle: Direktinvestitionen in die Anlagen und börslich gehandelte Anleihen. Bei den Direktinvestments kauften die Anleger zunächst Leuchtsysteme, die das Unternehmen dann zurückmietete, um sie an gewerbliche Kunden weiterzuvermieten. Nach Ablauf der Mietzeit erwarb Lichtmiete den Produkte von den Anlegern zurück, die mit jährlichen Rendite von mehr als fünf Prozent gelockt wurden.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass das Geschäftsmodell nicht funktionierte – und dass Verantwortliche darüber im Bild waren. Hahn erklärte im Dezember: „Wir werden im Interesse unserer Mitarbeiter, Investoren und der weiteren Beteiligten aktiv dazu beitragen, die Vorwürfe schnellstmöglich aufzuklären.“
Anleihen brechen ein
Inzwischen klingt Hahn gereizter. Im Schreiben an die Mitarbeiter greift er die Staatsanwaltschaft an. Deren Annahmen basierten auf Gutachten einer „Gegenseite“, die er nicht näher bezeichnete. Er sei erschüttert, denn die Gutachten seien „so fehlerhaft und handwerklich schlecht gemacht, dass ich es nicht vollziehen kann, dass man auf dieser Foundation die Firma faktisch eliminiert“.
Die Kurse der Inhaberschuldverschreibungen von Lichtmiete brachen nach der Durchsuchung massiv ein. Die 2021 emittierten Anleihe etwa fiel von 97 Euro auf unter 10 Euro.
„In den letzten Wochen habe ich jeden Tag alle gegeben und gekämpft wie nie zuvor in meinem Leben“, schreibt Hahn an die Kollegen und versucht, ihnen mit Durchhalteparolen Mut zu machen. „Ich weiß, dass die Deutsche Lichtmiete in 5-6 Jahre sicher über 500 Mio. Euro wert sein wird“, notiert er. Worauf sich diese Überzeugung Angesichts der aktuellen Entwicklungen gründet, erklärte Hahn jedoch nicht.
Mehr: Staatsanwälte durchsuchen den Leuchtspezialisten Deutsche Lichtmiete in Oldenburg