Die Symptome eines Burn-outs und einer Depression ähneln sich. Wann sind welche Symptome vorherrschend und welche Warnsignale gibt es?
Lebensphasen, in denen man sich bedrückt, traurig und überfordert fühlt, kennt fast jeder Mensch. Werden Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit zum ständigen Begleiter, sollten betroffene Personen aufmerksam werden. Dann kann ein Burn-out oder eine Depression die Ursache sein. Doch wie unterscheiden sie sich? Ein Experte erklärt es.
Es gibt keine international akzeptierte Diagnose Burn-out und auch keine klaren Diagnosekriterien. Eine Einordnung ist daher nicht ganz einfach. In der Regel verstehen Fachleute unter einem Burn-out einen Zustand anhaltender, großer körperlicher und psychischer Erschöpfung. Die WHO beschreibt Burn-out als Syndrom aufgrund von „chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird“.
Ein Burn-out kann sich in allen Berufsgruppen, aber auch im privaten Umfeld entwickeln. Zum Beispiel aufgrund der aufopfernden Pflege von Angehörigen oder wenn eine Person in der Familie aus einem anderen Grund anhaltend starker Belastung ausgesetzt ist.
Als die drei Hauptsymptome eines Burn-outs gelten:
- emotionale Erschöpfung/rasche Ermüdung
- Depersonalisierung/Distanzierung/Zynismus
- verringerte Leistungsfähigkeit/Gefühl, nicht zu genügen
Die tiefe Erschöpfung ist meist begleitet von innerer Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen, aber auch von Gefühlen der Überforderung und Überlastung. Diese Symptome sind für die Betroffenen stark belastend. Sie haben das Gefühl, ihren Alltag immer weniger bewältigen zu können, immer weniger leistungsfähig zu sein. Das Gefühl innerer Leere nimmt zu.
„Die genannten Symptome treten auch bei einer Depression auf. Der Unterschied zwischen einem Burn-out und Depression liegt darin, wie intensiv sich die Symptome zeigen und ob eine Erholung möglich ist oder nicht“, erklärt Armin Rösl, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Depressionsliga e. V.
Armin Rösl ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Depressionsliga e. V. Der Journalist hatte im Jahr 2010 eine schwere depressive Episode. Seit 2015 engagiert er sich öffentlich zum Thema Depression.
Bei einem Burn-out berichten Betroffene in der Regel, dass es ihnen besser geht, wenn sie Abstand zu den Stressoren bekommen, etwa wenn sie einen längeren Urlaub machen. Dann empfinden sie Erholung und bemerken meist auch eine Verbesserung der Symptome. Anders sieht das bei einer Depression aus. Hier ist die Möglichkeit der Regeneration nicht gegeben. Bei einer Depression wird ein Urlaub meist als belastend empfunden.
„Ein Urlaub sorgt bei einer Depression vielfach für Stress. Die Betroffenen sind nicht mehr in ihrem sicheren Umfeld. Vieles ist nicht klar planbar oder strukturierbar. Der seelische Zustand kann in einer fremden Umgebung von den Betroffenen als noch unerträglicher erlebt werden als zu Hause. Es findet keine Erholung statt“, erklärt Rösl.
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, den negativen Gedanken und der Antriebslosigkeit befreien. Sätze wie „Denke positiv“, „Ist doch alles nicht so schlimm“ oder „Reiß dich zusammen“ helfen nicht weiter und führen nur dazu, dass sich Betroffene in ihrem Leid nicht gesehen und verstanden fühlen. Eine Depression ist laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter anderem durch zwei Hauptsymptome gekennzeichnet:
- gedrückte, depressive Stimmung
- Interessen- oder Freudlosigkeit
Mögliche Zusatzsymptome sind:
- Antriebsmangel beziehungsweise erhöhte Ermüdbarkeit
- verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
- Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
- vermindertes Selbstwertgefühl
- Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Zukunft
- Suizidgedanken/-handlungen
- Schlafstörungen
- veränderter Appetit
- psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung
Treten mindestens fünf Symptome auf, davon mindestens ein Hauptsymptom über mehr als zwei Wochen, deutet das auf eine Depression hin. Betroffene sollten sich ärztliche Hilfe holen.
Meist gibt es nicht den einen Auslöser einer Depression. In den meisten Fällen entwickelt sich eine Depression aus einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Manche Menschen haben eine gewisse Veranlagung, zu erkranken. Ungleichgewichte im Bereich der Stresshormone sowie der Botenstoffe in bestimmten Hirnregionen spielen ebenfalls eine Rolle. Frühere traumatische Erfahrungen, akutes Verlusterleben sowie chronische Überlastung im privaten oder beruflichen Bereich können ebenfalls dazu beitragen, dass sich eine Depression entwickelt.
Zu den möglichen Auslösern einer Depression gehören vielfach Verlusterlebnisse wie der Tod eines geliebten Menschen, eine Scheidung oder die Kündigung der Arbeitsstelle. Auch anhaltende Konflikte mit geliebten Menschen, ein Umzug oder eine Schwangerschaft oder Geburt können eine Depression verursachen. „Möglich ist auch, dass sich aus einem Burn-out eine Depression entwickelt“, sagt Rösl.